Wer geglaubt hatte, die Winter würden in unserer Gegend zukünftig recht schneefrei und warm über die Bühne gehen, wurde im vergangenen Januar eines Besseren belehrt, denn wir hatten fast den ganzen Monat über Schneebedeckung zu verzeichnen und der Mittelwert der Temperatur lag etwa 1,4 Grad unter dem vieljährigen Januar-Temperaturmittelwert. Den Monat über hatten wir insgesamt 15 Eistage und 30 Tage mit Frost zu notieren. An nur einem Tag, nämlich dem 18., lag der Tiefstwert der Temperatur mit 0,2 °C im positiven Bereich. Abgesehen von einer sehr kurzen Tauphase zur Monatsmitte herrschte ständig Frostwetter. Mit insgesamt 60 Litern Niederschlag pro Quadratmeter erreichten wir etwa 60 Prozent des vieljährigen Januar-Niederschlagsmittels. Der Luftdruck bewegte in einem Bereich zwischen 981 und 1036 Hektopascal.
Der Neujahrstag 2010 begann zunächst mit fiesem Nebelnässen bei etwa 4 °C. Ab der Mittagszeit setzte die Temperatur zu einem seichten, aber stetigen Sinkflug an. Folglich ging das Nässen ab 22.00 Uhr bei 0,1 °C in weiße Form über. Der Folgetag war dann auch der erste Eistag des Jahres, in der Nacht zum Sonntag (3.) setzte wieder leichter, schauerartiger Schneefall ein.
03.01.2010: Leichte Schneebedeckung
Bis zum Abend hatten die Höhen etwa 4 Zentimeter Schneeschichtstärke zu vermelden, im Tal lag entsprechend weniger. Am Dienstag (5.) kristallisierte sich langsam die Entstehung einer Vb-Wetterlage (sprich fünf b) ab Freitag heraus, die uns aus dem Mittelmeerraum einiges an Schnee bringen könnte. Durch die Woche hindurch ging es zunächst einmal mit Minustemperaturwerten zwischen -5°C und -1 °C bei einem hochnebelartig bedeckten Himmel weiter.
06.01.2010: Einsame Bienenkästen im Winterwald
Am Nachmittag des Dreikönigstags setzte leichter Schneefall ein, der bis in den Abend hinein andauerte. Der Donnerstag (7.) war recht freundlich mit sonnigen Abschnitten bevor in der Nacht zum Freitag der oben angesprochene Schneefall einsetzte. Bei -3 °C fiel feinster Pulverschnee. Am Freitag gesellte sich tagsüber zu leichtem Schneefall auch noch ein beißender Nordostwind, der zu Verwehungen führte.
08.01.2010: Wehe in Karnsberg
Bis zum Samstagmorgen ließen die Schneefälle zunächst nach und es hatte sich je nach Lage etwa 10 cm Pulverschneehöhe gebildet. Mit Temperaturen um -5 °C blieb es durch den Nordostwind begünstigt eisig kalt, auf den Höhen waren vielerorts Schneeverwehungen zu besichtigen.
09.01.2010: Verwehungen in Vorderwestermurr
In der Nacht zum Sonntag kamen dann noch einige Zentimeter Schnee hinzu, sodass die Schneehöhe nun etwa 16 cm betrug. Von der Sonne war nichts zu sehen, sie blieb hinter einer grauen Hochnebelpampe verborgen.
10.01.2010: Hinterwestermurr
In diesem Stil ging es auch in den Montag, 11. Januar. Moderater Frost und leichtes Schneegrieseln begleiteten uns anfangs, durch die Woche blieb es weiterhin mausgrau bedeckt, aber niederschlagsfrei. Gegen Mitte des Monats setzte der Atlantik zur Rebellion gegen den Kaltluftfluss aus Nordosten an. Am Samstagnachmittag (16.) lichtete sich der Grauschleier über uns ein wenig und ließ ein paar Sonnenstrahlen zu uns durch.
16.01.2010: Auflockerungen über Karnsberg
Dies hatte auch zur Folge, dass die Temperatur bis zum Abend von 0 °C wieder auf -3,2 °C absackte. So ging der warme Niederschlag, den der rebellische Atlantik schickte, in der Nacht zunächst als Schnee nieder. Bis zum Sonntagmorgen war es dann bis ins Tal ein Gemisch aus Graupel und Regen. Den Sonntag über regnete es mit einem böigen Westwind gepaart mehr oder weniger stark. Als der Regen gegen Abend nachließ waren in Summe über 26 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter gefallen, was Murr und ihre Zuflüsse mit einem Anstieg der Pegel quittierten.
17.01.2010: Tauwetter hat eingesetzt
Zwei Tage später (19.) war es an der Zeit, eine erste Bilanz des Wochenendes zu ziehen. Das eurasische Bollwerk hatte der Atlantikrebellion standhalten können, der Regen hatte den Grauschleier über uns aus der Luft gewaschen und den Schnee je nach Lage um gut mehr als die Hälfte zusammensacken lassen oder in die Bäche verfrachtet. Der Restschnee war durch Minusgrade in den Nächten stark verharscht bis vereist.
19.01.2010: Restharschschnee
Durch die dritte Januarwoche ging es mit recht unspektakulärem Wetter. Nach Frösten am Morgen mit Nebel, glatten Trottoirs und Straßen kam tagsüber immer wieder mal die Sonne durch. Ihre Strahlen leckten den Restschnee mehr und mehr auf. Zum Wochenende hin wurden die Sonnenstrahlen wieder durch einen Hochnebeldeckel von der Erdoberfläche ferngehalten. Es blieb bei Nachtfrösten und niedrigen Temperaturwerten tagsüber.
23.01.2010: Grauschleier über dem Land
Die letzte Januarwoche begann mit leichtem Schneefall und hohem Luftdruck über 1030 Hektopascal. In der Nacht zum Mittwoch riss die Wolkendecke über uns auf, was zu einer Frühtemperatur von -13,5 °C führte, das war der Tiefstwert des Monats. Am Mittwoch dann setzte der Luftdruck bei einigen Sonnenstrahlen zu einem steilen Sturzflug um über 20 Hektopascal im Tagesverlauf an. Ursache war das Tief Jennifer, das sich von Norden her heran schlich und ab der Nacht zum Donnerstag Schneeschauerfelder über uns hinwegziehen ließ.
27.01.2010: Ein eisiger Morgen - bei -13,5 °C
Bis zum Freitagmorgen waren zwölf Zentimeter Neuschnee gefallen. Im Laufe des Tages stieg die Temperatur im Tag über den Gefrierpunkt, sodass die weiteren Niederschläge in den Niederungen zum Teil als Nieselregen herunter kamen. Auf den Höhen blieb es bei Schneeschauern. Am Samstagmorgen wurden wir bei -3 °C zunächst von viel Sonnenschein verwöhnt.
30.01.2010: Schattenspiele im Tal
Bemerkenswert in dieser Woche war, dass der Luftdruck vom 1036 hPa am Mittwochmorgen bis Freitagabend auf 981 hPa abgesackt war, immerhin ein Sturz um 55 Hektopascal innerhalb von 65 Stunden. Das kommt nicht alle Tage vor. Das letzte Januarwochenende ging mit frostigen Temperaturwerten und einzelnen Schneeschauern über die Bühne.
31.01.2010: Schneetreiben vor Grab
Im Lauf des Januars waren somit 60 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen, von denen gut die Hälfte in Form von Schnee auf der Murrhardter Gemarkung in den Februar mitgenommen wird. Dies bedeutet, dass oberhalb von Harbach im Einzugsgebiet der Murr auf 90 Quadratkilometern schätzungsweise drei Millionen Kubikmeter Wasser in Schneeform gespeichert sind. Bleibt nur zu hoffen, dass Anfang Februar kein Tauwetter mit starken Regenfällen ins Haus steht, sonst könnte Hochwasser drohen.